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Interviews

[2012.05.25]  Mit Matthias Weber von ifund services AG, Zürich

Fragen an Matthias Weber, CIO, Head of Research, ifund services AG, Zürich, www.ifundservices.com

Herr Weber, wie sieht ein klassischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Auf dem Arbeitsweg lese ich mit dem iPad „NZZ“ und „Financial Times“. Im Büro angekommen, checke ich im Bloomberg unsere Charts zu Makrolage und Marktstimmung und die Entwicklung unserer Fondsempfehlungen und -investments. Mit meinem Team bespreche ich dann die Aufträge: Neue Fondsempfehlungen, Portfolioumschichtungen in Mandaten oder Projekte wie zum Beispiel einen Manager Search für eine Vorsorgeeinrichtung. Oft kommt ein Fondsmanager zu Besuch, mit dem ich seine Anlagephilosophie, seinen Fonds und die Marktlage in seiner Anlageklasse bespreche. Die Ergebnisse des Gesprächs halte ich in einem Visit Report fest, Auszüge daraus finden sich in unseren monatlichen, öffentlich zugänglichen „research news“. Den weiteren Verlauf des Tages verbringe ich mit Kundengesprächen, der Entwicklung bzw. Aktualisierung von Fondsempfehlungen, Makroanalysen und Produktentwicklungen – und ab und zu schaue auch ich in der Mailbox nach relevanten Mails…

Ich gehe davon aus, dass Sie dieses geballte Paket an Arbeit nicht alleine schaffen. Wie ist Ihr Team strukturiert?

Wir sind ein Team von fünf Analysten. Unser Universum umfasst alle in Europa domizilierten, liquiden Anlagefonds. Jeder Analyst ist für bestimmte Anlageklassen verantwortlich. Für diese trifft er Fondsmanager, erstellt und pflegt alle Empfehlungen und beantwortet auch die Kundenanfragen. Ausserdem geben die Analysten Inputs für das Management von Kundenportfolios und unserer Dachfonds. Sehr wichtig ist aber auch die Unterstützung durch 20 Mitarbeiter, die unsere Fondsdatenbank mit über 50‘000 Fonds und über zwei Millionen Fondsdokumenten unterhalten sowie die IT, die uns in der Produktion und Distribution unseres Research unterstützt.

Wie grenzen sich die Unternehmensbereiche ifundservices AG, fundinfo AG und etfinfo.com untereinander ab? Gibt es dabei auch Synergien und wenn ja, welche?

fundinfo.com und etfinfo.com sind führende Informationsplattformen. Dem Fondsresearch von ifund services stehen all diese Informationen zur Verfügung, mehr noch als öffentlich gezeigt wird. Damit haben wir in der Fondsanalyse einen Informationsvorsprung, den wir unseren Kunden weitergeben können. Insbesondere haben unsere Kunden exklusiven und komfortablen Zugang zu allen Fondsdokumenten und Managervideos und erhalten bspw. die deutschen Steuerinformationen zu sämtlichen Fonds und Anlageklassen.

Als Fonds-Medium interessiert uns natürlich Ihr Portal www.fundinfo.com ganz besonders. Können Sie unseren Lesern dazu ein paar Informationen geben?

fundinfo.com ist die führende internationale Plattform für Informationen und Pflichtveröffentlichungen im Fondsbereich. Über fundinfo.com erhalten Benutzer schnell und kostenfrei Zugang zu über 2 Millionen Dokumenten, Fondsdaten, Fondmanager-Videos und Ratings von mehr als 700 Fondsanbietern. fundinfo.com ist zudem von verschiedenen Finanzmarktaufsichtsbehörden als elektronische Publikationsplattform für Pflichtveröffentlichungen anerkannt. Viele führende Banken beziehen Fondsdokumente exklusiv von fundinfo.com und stellen diese ihren Kundenberatern über die verschiedenen internen Applikationen direkt zur Verfügung.

Es ist mittlerweile ein Dauerthema, dass die Mehrzahl der aktiv verwalteten Fonds ihren Referenzindex mittel- bis längerfristig nicht schlägt. Und ihnen deshalb seitens der Exchange Traded Funds (ETFs) starke Konkurrenz erwächst. Sie unterhalten auch ein Portal für ETFs, www.etfinfo.com. Wie schafft Ihre Unternehmensgruppe diesen Spagat?

Die Analysten von ifund services analysieren sowohl aktive als auch passive Fonds. etfinfo.com ist für uns eine wichtige Informationsquelle, die aber selbst kein Research anbietet. Wir sind uns absolut bewusst, dass sich ETFs in bestimmten Anlageklassen und vor allem auch für taktische Anlageideen besser eignen als aktive Fonds. Umgekehrt gibt es Anlageklassen, wo dringend von ETFs abzuraten ist und es gibt Marktphasen, während denen aktive Fonds den ETFs, deutlich überlegen sind. Wir führen sogar eigene Indizes (siehe unsere „research news“ oder Bloomberg), die aufzeigen, wie viele Prozent der aktiven Manager über die letzten 12 Monate den Index schlugen: In diesem Jahr liegen zurzeit über 80% der Europaaktienfonds vor dem Index, ETFs bleiben da chancenlos.

Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.

Zur Person
Matthias Weber schloss 1989 an der Universität St. Gallen in Betriebswirtschaft ab und absolvierte später ein MBA in International Wealth Management der Universität Genf und der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Nach einigen Jahren in der Konsumgütermarktforschung trat er 1995 der Bank Leu als Analyst bei, entwickelte im Jahr 2000 mit seinem Team den Leu Prima Cat Bond Fund und war schliesslich Managing Director Investment Research & Consulting sowie stellvertretender CIO. Seit 2006 ist er bei ifund services als Partner verantwortlich für Fondsresearch und Asset Management.

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Leser fragen...

Ich leite eine Vermögensverwaltung auf der deutschen Seite des Bodensees, und wir haben einen Kooperationspartner in Zürich. Anfangs Juni beginnen wir mit der Formulierung der Anlagestrategie für das dritte Quartal. Während wir bezüglich Aktien und Anleihen eine klare Meinung haben, sind wir für den Bereich Rohstoffe ziemlich ratlos. Die Edelmetallpreise sind unter Druck, jener für Rohöl kommt nicht vom Fleck und Einschätzungen für Agrargüter und Industriemetalle waren noch nie einfach. Wir überlegen uns schon heute ernsthaft, Rohstoffe als strategisches Element in der Assetallokation bis auf weiteres zu streichen und stattdessen taktisch vorzugehen. Anderseits ist die Stimmung momentan dermassen gedrückt, dass sich vielleicht ein zaghafter Einstieg bald lohnen könnte. Sie merken aus meiner E-Mail: Ich habe echt Mühe, in diesen Wochen die Vermögensklasse Rohstoffe im Gesamtkontext einzuordnen. Deshalb meine Frage: Wie sehen Ihre Experten die weitere Entwicklung?
Dank einer Erbschaft bin ich zu einem (für meine Verhältnisse) schönen Vermögen gelangt. Ich würde mich als aktive selbstentscheidende Privatanlegerin bezeichnen. Mein Depot bewirtschafte ich mit ETFs und Fonds und dies mit ansprechendem Erfolg bei gleichzeitig vernünftigem Zeitaufwand. Nun möchte ich mir alles noch etwas einfacher machen und bin auf die Idee gekommen, einfach das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des entsprechenden Index mit anderen Indizes zu vergleichen – auch historisch – und so abzuleiten, ob ein Markt nun günstig oder teuer bewertet ist. Wenn dies wirklich so einfach wäre, würden es wahrscheinlich alle Anleger tun. Oder ist meine Idee super? Dies möchte ich gerne Ihre Experten fragen. Danke im Voraus.
Ich leite eine Vermögensverwaltung mittlerer Grösse. Wir sind auf dem Research-Verteiler einiger Banken und Broker. Sie können sich bestimmt vorstellen, wie viel Analysematerial in einer Woche zusammenkommt. Was für unsere Arbeit dabei aber deutlich zu kurz kommt, ist die Technische Analyse. Da scheint das Analyseangebot in Europa sehr dünn zu sein – im Gegensatz zu den USA, wo ich einige Jahre arbeitete. Kennen Ihre ETF- und Fonds-Experten vielleicht entsprechende Quellen?
In unserer Vermögensverwaltung haben wir zahlreiche Mandate, in denen ein Teil „Fixed Income“-Anlagen vorhanden sein müssen. Wir haben breitflächig in entsprechende ETFs investiert. Wir suchen aber für einige Kunden noch spezielle Ansätze wie beispielsweise CAT-Bonds und Wandelanleihen-Fonds. Ich habe gesehen, dass Sie dafür Experten haben (Deutschland und/oder Schweiz). Danke für ein paar Ausführungen dazu und ob es noch weitere Zinsanlagen in Form von Fonds gibt, die einen besonderen „Kick“ haben.
Als Vermögensverwalter werde ich seitens meiner Kunden dann und wann nach wirklichen Exoten-Investments gefragt, die idealerweise mittels aktiv verwalteten Fonds abgedeckt werden. Haben Ihre Experten zwei, drei solche Ideen zur Hand?
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