Fragen an Matthias Weber, CIO, Head of Research, ifund services AG, Zürich, www.ifundservices.com
Herr Weber, wie sieht ein klassischer Arbeitstag von Ihnen aus?
Auf dem Arbeitsweg lese ich mit dem iPad „NZZ“ und „Financial
Times“. Im Büro angekommen, checke ich im Bloomberg unsere Charts
zu Makrolage und Marktstimmung und die Entwicklung unserer Fondsempfehlungen
und -investments. Mit meinem Team bespreche ich dann die Aufträge: Neue
Fondsempfehlungen, Portfolioumschichtungen in Mandaten oder Projekte wie
zum Beispiel einen Manager Search für eine Vorsorgeeinrichtung. Oft
kommt ein Fondsmanager zu Besuch, mit dem ich seine Anlagephilosophie, seinen
Fonds und die Marktlage in seiner Anlageklasse bespreche. Die Ergebnisse
des Gesprächs halte ich in einem Visit Report fest, Auszüge daraus
finden sich in unseren monatlichen, öffentlich zugänglichen „research
news“. Den weiteren Verlauf des Tages verbringe ich mit Kundengesprächen,
der Entwicklung bzw. Aktualisierung von Fondsempfehlungen, Makroanalysen
und Produktentwicklungen – und ab und zu schaue auch ich in der Mailbox
nach relevanten Mails…
Ich gehe davon aus, dass Sie dieses geballte Paket an Arbeit nicht alleine
schaffen. Wie ist Ihr Team strukturiert?
Wir sind ein Team von fünf Analysten. Unser Universum umfasst alle in
Europa domizilierten, liquiden Anlagefonds. Jeder Analyst ist für bestimmte
Anlageklassen verantwortlich. Für diese trifft er Fondsmanager, erstellt
und pflegt alle Empfehlungen und beantwortet auch die Kundenanfragen. Ausserdem
geben die Analysten Inputs für das Management von Kundenportfolios und
unserer Dachfonds. Sehr wichtig ist aber auch die Unterstützung durch
20 Mitarbeiter, die unsere Fondsdatenbank mit über 50‘000 Fonds
und über zwei Millionen Fondsdokumenten unterhalten sowie die IT, die
uns in der Produktion und Distribution unseres Research unterstützt.
Wie grenzen sich die Unternehmensbereiche ifundservices
AG, fundinfo AG und
etfinfo.com untereinander ab? Gibt es dabei auch Synergien und wenn ja,
welche?
fundinfo.com und etfinfo.com sind führende Informationsplattformen.
Dem Fondsresearch von ifund services stehen all diese Informationen zur Verfügung,
mehr noch als öffentlich gezeigt wird. Damit haben wir in der Fondsanalyse
einen Informationsvorsprung, den wir unseren Kunden weitergeben können.
Insbesondere haben unsere Kunden exklusiven und komfortablen Zugang zu allen
Fondsdokumenten und Managervideos und erhalten bspw. die deutschen Steuerinformationen
zu sämtlichen Fonds und Anlageklassen.
Als Fonds-Medium interessiert uns natürlich Ihr Portal www.fundinfo.com ganz besonders. Können Sie unseren Lesern dazu ein paar Informationen
geben?
fundinfo.com ist die führende internationale Plattform für Informationen
und Pflichtveröffentlichungen im Fondsbereich. Über fundinfo.com
erhalten Benutzer schnell und kostenfrei Zugang zu über 2 Millionen
Dokumenten, Fondsdaten, Fondmanager-Videos und Ratings von mehr als 700 Fondsanbietern.
fundinfo.com ist zudem von verschiedenen Finanzmarktaufsichtsbehörden
als elektronische Publikationsplattform für Pflichtveröffentlichungen
anerkannt. Viele führende Banken beziehen Fondsdokumente exklusiv von
fundinfo.com und stellen diese ihren Kundenberatern über die verschiedenen
internen Applikationen direkt zur Verfügung.
Es ist mittlerweile ein Dauerthema, dass die Mehrzahl der aktiv
verwalteten Fonds ihren Referenzindex mittel- bis längerfristig nicht schlägt.
Und ihnen deshalb seitens der Exchange Traded Funds (ETFs) starke Konkurrenz
erwächst. Sie unterhalten auch ein Portal für ETFs, www.etfinfo.com.
Wie schafft Ihre Unternehmensgruppe diesen Spagat?
Die Analysten von ifund services analysieren sowohl aktive als auch passive
Fonds. etfinfo.com ist für uns eine wichtige Informationsquelle, die
aber selbst kein Research anbietet. Wir sind uns absolut bewusst, dass sich
ETFs in bestimmten Anlageklassen und vor allem auch für taktische Anlageideen
besser eignen als aktive Fonds. Umgekehrt gibt es Anlageklassen, wo dringend
von ETFs abzuraten ist und es gibt Marktphasen, während denen aktive
Fonds den ETFs, deutlich überlegen sind. Wir führen sogar eigene
Indizes (siehe unsere „research news“ oder Bloomberg), die aufzeigen,
wie viele Prozent der aktiven Manager über die letzten 12 Monate den
Index schlugen: In diesem Jahr liegen zurzeit über 80% der Europaaktienfonds
vor dem Index, ETFs bleiben da chancenlos.
Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.
| Zur Person
Matthias Weber schloss 1989 an der Universität St. Gallen in Betriebswirtschaft
ab und absolvierte später ein MBA in International Wealth Management
der Universität Genf und der Carnegie Mellon University in Pittsburgh.
Nach einigen Jahren in der Konsumgütermarktforschung trat er 1995 der
Bank Leu als Analyst bei, entwickelte im Jahr 2000 mit seinem Team den Leu
Prima Cat Bond Fund und war schliesslich Managing Director Investment Research & Consulting
sowie stellvertretender CIO. Seit 2006 ist er bei ifund services als Partner
verantwortlich für Fondsresearch und Asset Management.
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