Fragen an Markus Winkler, VGZ Vermögensverwaltungs-Gesellschaft Zürich, Zürich, www.vgz.ch
Herr Winkler, Medien wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nennen
Sie auch „Mr. Vietnam“. Wie kam es dazu?
Da ich mich seit 1994 – und seit 2001 sehr intensiv – mit Vietnam
befasse, die Finanzindustrie Vietnam bisher aber vollständig vernachlässigt
hat, wurde ich gewissermassen zum europäischen “Kompetenzzentrum“ für
Vietnam und damit Anlaufstelle nicht nur für Journalisten sondern auch
institutionelle Anleger und selbst Banken. Der CEO einer Zürcher Bank
hat mir deshalb den Übernamen “Mr. Vietnam“ gegeben, was bis
Vietnam durchgedrungen ist und 2005 Anlass für ein Interview mit einer
der auflagenstärksten vietnamesischen Zeitungen war.
Das heisst, Sie bereisen Vietnam von Zeit zu Zeit? Was hat sich
in den letzten fünf Jahren am meisten verändert?
Ich reise jedes Jahr drei- bis viermal nach Asien und speziell Vietnam, um
Gesellschaften und Projekte zu besuchen, in die wir indirekt (d.h. über
Fonds) investiert haben. Die Entwicklung von Vietnam ist atemberaubend. Am
einfachsten erkennt man dies an der Skyline von Saigon (siehe Foto) oder dem
Verkehr. 1994 waren es noch 90 Prozent Fahrräder, heute machen diese höchstens
noch 5 Prozent aus. Und wenn man bedenkt, dass Vietnam 1990 noch auf Nahrungsmittelhilfen
angewiesen war, 15 Jahre später aber bereits zum zweitgrössten Exporteur
von Kaffee und Reis mutierte, dann kann man die Dynamik und Schaffenskraft
der Vietnamesen etwas erahnen.

Die vietnamesische Börse ist seit Beginn des Jahres stark gestiegen.
Können Sie uns ein paar Zahlen dazu geben und wie sehen Sie die mittel-
bis längerfristige Perspektive? Und warum war die Performance in den vergangenen
zwei Jahren dermassen enttäuschend?
Vietnam ist eine Macro-Story, die noch Jahrzehnte andauern wird. Vietnam steht
heute entwicklungsmässig etwa da, wo China vor 15 Jahren, Thailand vor
25 Jahren und Südkorea vor 35 Jahren waren. Aufgrund der hohen Leistungsbereitschaft
in dem sehr dynamischen asiatischen Umfeld wird Vietnam sehr schnell aufholen.
Auf den ersten Vietnam-Hype 2006/07 folgte eine Kurskorrektur, welche durch
die globale Finanzkrise vertieft und verlängert wurde. Steigende Weltmarktpreise
für Energie und Nahrungsmittel sowie eine expansive Geld- und Kreditpolitik
führten zu einem Teuerungsschub, der die Zentralbank zwang, auf die Bremse
zu stehen. Aus diesem Grund serbelten die vietnamesischen Aktien in den letzten
zwei Jahren (siehe VN-Index in VND seit 2005). Die Inflation ist nun besiegt
und deshalb begann die State Bank of Vietnam, im März die Zinsen zu senken
und die Kreditbedingungen zu lockern. Dies hat der Börse wieder Auftrieb
gegeben. Weil die Aktienbewertungen in Vietnam etwa halb so hoch wie in Indonesien,
Philippinen und Thailand sind, besteht noch grosses Aufholpotenzial.

Wenn Anleger in unseren Breitengraden an die asiatische Wachstumsstory
denken, kommt gleich China in den Sinn. Sollte Vietnam Ihrer Meinung nach
stärker
in den Fokus gerückt werden?
Heute in Vietnam anzulegen, ist etwa so, wie wenn Sie das Rad der Zeit auf
1998 zurückdrehen und in China investieren könnten. Mit anderen Worten
besitzt Vietnam ein enormes Aufholpotenzial. China besticht durch seine schiere
Grösse. Es ist jedoch nicht einfach, ein so grosses Land zu führen,
vor allem, wenn dieses aus über 50 verschiedenen ethnischen Gruppen mit
eigener Sprache besteht. Die ethnischen und sozialen Spannungen sowie Unzufriedenheit
mit dem politischen System nehmen zu. Durch die von Mao eingeführte Ein-Kind-Politik
verschlechtert sich die demografische Struktur zudem beängstigend schnell.
Infolge 35 Jahren Krieg ist die Bevölkerung in Vietnam sehr jung und auch
praktisch homogen. Immer mehr internationale Konzerne eröffnen Produktionsstätten
in Vietnam, um von den bienenfleissigen und günstigen Arbeitskräften
zu profitieren (Lohnkosten etwa ein Viertel von China). Deshalb favorisiere
ich Vietnam ganz klar.
Wie können denn Investoren aus der Schweiz an dieser Story
partizipieren? Haben Sie einen Produktvorschlag zur Hand?
Vietnam fristet auch heute noch ein Mauerblümchendasein und europäische
Banken können bestenfalls einen ETF vorschlagen. Diese legen in den gleichen
10 bis 20 grosskapitalisierten und liquiden Werten an, welche deshalb viel
teurer als der Gesamtmarkt sind. Es gibt jedoch eine Beteiligungsgesellschaft
VietNam Holding Ltd., welche in London und auch in Frankfurt
/ Xetra gehandelt wird (Ticker: VNH:LN bzw. VH1:GR, Valor 2570631). Deren Portfolio
ist erstklassig
und Corporate Governance wird gross geschrieben. Das durchschnittliche KGV
des Portfolios liegt um 6 (etwa halb so hoch wie bei den ETFs) und die Aktie
wird erst noch mit einem Discount von ca. 15 Prozent zum inneren Wert gehandelt.
Weitere Informationen finden Sie auf der folgenden Website: www.vnham.com/vietnam-holding.aspx
Herr Winkler, vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.
| Zur Person
Nach dem Studium an der Universität St. Gallen (HSG) und Ausbildung bei
zwei Schweizer Grossbanken gründete Markus Winkler die VGZ Vermögensverwaltungs-Gesellschaft
Zürich, Zürich. Als Verwaltungsratspräsident heute verantwortlich
für die Anlagestrategie. Besonderes Interesse an Unterbewertungssituationen
und Emerging Markets. Aufsichts- oder Beirat verschiedener Emerging-Market-Fonds.
Mitgründer und während Jahren Vorstand des Verbandes Schweizerischer
Vermögensverwalter (VSV) sowie der Schutzgemeinschaft der Investoren Schweiz.
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