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Fragen an Pierre-Olivier Pourcelot, Vertriebs- und Marketingleiter, Mitglied des Exekutivkomitees von Reyl Asset Management, Zürich, www.reyl-am.com
Herr Pourcelot, die Schuldenkrise ist für Anleger zu einem Dauerthema
geworden und stellt das klassische Schema der Wertpapierauswahl in Frage. Welche
neuen Gegebenheiten müssen Investoren künftig berücksichtigen?
Wie immer man es auch bezeichnet - Wandel, Übergang oder gar Revolution
- für Anleger besteht ein dringender, von den Folgen der Schuldenkrise
diktierter Handlungsbedarf für die Anpassung ihrer Asset-Allokation. Seit
dem Zweiten Weltkrieg ist die Verteilung der verschiedenen Anlageklassen in
den Portfolios institutioneller Investoren praktisch gleich geblieben. Sie
besteht einerseits zum Grossteil aus Obligationen, überwiegend Staatsobligationen,
die traditionell eine sichere Basisrendite garantierten, und andererseits aus
Aktien und schliesslich Immobilien. Nun hat die Schuldenkrise aber nicht nur
die Sicherheitsgarantie von Staatsobligationen, die von angeschlagenen staatlichen
Emittenten begeben werden, ausser Kraft gesetzt, sondern sie lässt auch
die Renditen von Papieren schmelzen, die bislang noch als sicher galten. Anleger
müssen daher heute zufriedenstellende neue Alternativen finden.
Welche Anpassungen empfehlen Sie angesichts der neuen Einschätzung
von Obligationen als Anlageklasse, ihrer mangelnden Sicherheit und niedrigeren
Rendite?
Anleger streben durch die Sicherheitskomponente in ihren Portfolios einen
realen Kapitalerhalt an. Wir sehen deshalb Handlungsbedarf auf zwei Ebenen:
Einerseits müssen sämtliche Investoren den Anteil von Obligationen
im Portfolio senken. Denn es gibt keine ausreichend liquide Alternative, um
dieses sicherste Portfoliosegment zu ersetzen. Andererseits empfehlen wir eine
Umschichtung mit einem Schwerpunkt auf Unternehmensobligationen mit hohen Ratings
sowie Staatsobligationen, deren Renditen im Einklang mit der Bilanzqualität
des staatlichen Emittenten stehen. Die ausgewogene Verteilung auf diese beiden
Anlageklassen stellt eine angemessene Liquidität sicher und senkt die
Konjunkturanfälligkeit von Unternehmensobligationen. Dieser Grundsatz
liegt auch der Anlagestrategie des Reyl Quality Bond Fund zugrunde, der 89
Prozent seines Vermögens in Unternehmensobligationen sowie einen hohen
Anteil in Obligationen so genannter Schwellenländer wie Brasilien, Mexiko,
Südkorea oder Katar investiert, die einen niedrigen Verschuldungsgrad
aufweisen und höhere Renditen bieten als viele Industrieländer. Neben
dieser Kernkomponente der Portfolio bestehen die traditionellen Satelliten-Segmente
wie High Yield-, Schwellenländer- oder Wandelobligationen.
Empfehlen Sie angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an den
Aktienmärkten
auch eine Verringerung der Exposure in Aktien?
Im Gegensatz zur Obligationenkomponente bin ich der Auffassung, dass der Aktienanteil
leicht höher sein sollte, als dies bei den klassischen Allokationen derzeit
der Fall ist. Wir empfehlen Anlegern die Gewichtung ihrer geografischen Allokation
auf die Bedeutung der Länder in der Realwirtschaft abzustimmen – das
heisst in Abhängigkeit von ihrem Bruttoinlandsprodukt und nicht ihrer
Gewichtung in den Indizes.
Bedeutet dies, dass die Allokation auf Schwellenländeraktien erhöht
werden sollte?
In der Tat. Will man das Gewicht dieser Länder in der Realwirtschaft
besser abbilden, empfiehlt sich eine Aktien-Allokation mit einem höheren
Anteil von Schwellenländeraktien. Die jüngsten Entwicklungen zwingen
uns, die Dinge zu relativieren. Das Modell der Schwellenländer erfährt
derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Dieser ist ein langwieriger Prozess, und
Anleger müssen diesem Aspekt bei ihrer Allokation Rechnung tragen. Während
beim alten Modell Investitionen in Infrastrukturen im Mittelpunkt standen,
z.B. in den asiatischen Ländern wie China oder in die Rohstoffförderung
in Russland und in Brasilien, wird das neue, ausgereiftere Modell von der Inlandsnachfrage
getragen. Wir implementieren die Rotation dieser Anlagethemen im Übrigen
in unseren Schwellenländerfonds, die im Dreijahresvergleich eine der höchsten
Renditen des Marktes erzielen.
Wird sich ausser den neuen Regeln für die Asset Allokation
auch die Anlagestrategie ändern?
Gleichzeitig zum Paradigmenwechsel für die Asset Allokation ist in der
Tat auch eine Art Misstrauen gegenüber der indexorientierten Verwaltung
zu beobachten. Dies möchte ich am Beispiel des passiven Obligationen-Managements
deutlich machen, dessen globaler Referenzindex bisher der Citygroup World Government
Bond Index war. Bis vor Kurzem galt, je stärker sich ein Staat verschuldete,
desto liquider und folglich attraktiver waren seine Obligationen für Investoren.
Seit einigen Monaten betrachten Anleger diese Märkte jedoch mit anderen
Augen. Sie haben begriffen, dass die Gewichtung eines Staates in einem Index
umso höher ist, je stärker er sich verschuldet. Die USA, Japan und
Italien repräsentieren zusammen mehr als 65 Prozent des Referenzindex.
Dieser logische Effekt auf die Struktur von Indizes dieses Typs brachte die
passive Verwaltung von Rentenprodukten in die Kritik. Und die Angst vor einem
Verlust des Anlagekapitals infolge der hohen Risikokonzentration ist deshalb
unverhältnismässig stark gestiegen. Wir haben frühzeitig reagiert
und zur Optimierung der risikoadjustierten Rendite grundsätzlich auf eine
Benchmark unabhängige Verwaltung in Kombination mit einer gründlichen
Fundamentalanalyse gesetzt.
Herr Pourcelot, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.
| Zur Person
Pierre-Olivier Pourcelot ist Vertriebs- und Marketingleiter, Mitglied des Exekutivkomitees
von Reyl Asset Management. Bevor er zu Reyl Asset Management kam, war Pierre-Olivier
Pourcelot von 2005 bis 2010 für Robeco (Suisse) S.A., von 2001 bis
2004 für Swisscanto in Zürich und von 1994 bis 2000 für
HypoVereinsbank (UniCredit Group) in Zürich und München tätig.
Pierre-Olivier besitzt einen Abschluss der EuroMed Management School in
Marseille, der Hochschule Konstanz und des New York Institute of Finance.
Er besitzt ferner die CEFA-Qualifikation (Certified European Financial
Analyst). |
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