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Interviews

[2012.06.29]  Mit Gérard Piasko von Bank Sal. Oppenheim (Schweiz), Zürich

Fragen an Gérard Piasko, Chief Investment Officer und Mitglied der Geschäftsleitung, Bank Sal. Oppenheim (Schweiz), Zürich, www.oppenheim.ch

Die Wirtschaftszahlen aller Regionen der Welt haben sich in den letzten Wochen weiter abgeschwächt. Kam das für Sie überraschend?

Nein, die Abkühlung war sogar stärker als erwartet. Die neuerliche Schwäche der US-Wirtschaft zeigt nach dem bereits enttäuschenden Arbeitsmarktbericht für April ebenso wie die rückläufige US-Industrieproduktion, dass sich nun ausserhalb Europas die Wirtschaftsabschwächung akzentuiert. In Europa hat zwar bei den griechischen Parlamentswahlen die Euro-feindliche Syriza nicht gewinnen können. Aber das Hauptproblem Europas ist inzwischen nicht mehr Griechenland, sondern Spanien – und eventuell bald Italien. Sollte die Solidität des spanischen oder gar des italienischen Bankensystems z.B. wegen Kapitalabflüssen noch mehr in Frage gestellt werden, müssten politisch koordinierte Massnahmen ergriffen werden, um eine grössere Finanzkrise zu verhindern.

Kann diese Schwäche in Europa mit Anlagen in Schwellenländern kompensiert werden?

Nein, nun kommt auch das Wirtschaftswachstum der wichtigen Schwellenländer deutlich zurück. Daher sinken die vorher beträchtlichen Zinsdifferenzen gegenüber den USA, Deutschland oder der Schweiz via Leitzinssenkungen. Dies setzt die Lokalwährungen der Emerging Markets unter Druck, die vorher von der grossen Zinsdifferenz gestützt wurden. Wir sind daher aus diesen Währungen ausgestiegen. Ebenfalls im Sinne des aktiven Währungsmanagements haben wir für Mandate in Schweizer Franken wieder gegen einen schwächeren Euro abgesichert, da die Euro-Risiken steigen.

Was machen Sie in diesem Umfeld mit Ihrer Aktienquote?

Die Anlageklasse Aktien ist historisch gesehen die volatilste bzw. risikoreichste Assetklasse. Wir haben eine weitere Risikoreduktion beschlossen, und zwar ebenfalls im Bereich Emerging Markets. Wegen der besonders in Schwellenländern unter den Markterwartungen publizierten Wirtschaftszahlen z.B. in Brasilien, China und Korea und den erwähnten steigenden Emerging- Markets-Währungsrisiken, wurde die Aktienquote reduziert. Innerhalb der Aktien sollten weiterhin Sektoren wie Nahrungsmittel oder Gesundheitswesen favorisiert werden – also defensive, von der Weltwirtschaft relativ wenig abhängige Branchen. Dazu favorisieren wir Dividendenfonds, die in Marktstresssituationen nur etwa die Hälfte einer Gesamtaktienmarktkorrektur erleiden. Aktien mit hoher Konjunkturabhängigkeit oder hoher Gesamtmarktabhängigkeit wie beispielsweise Bankaktien meiden wir seit mehreren Jahren.

Was sind in diesem Umfeld die Alternativen?

Bei den Edelmetallen ziehen wir weiterhin Gold gegenüber den mehr von der Wirtschaftslage abhängigen Metallen Silber oder Palladium vor. Das Verhältnis von Gold gegenüber Silber hat sich seit rund einem Jahr zugunsten von Gold verändert. Das könnte noch einige Zeit so weitergehen.

Welche Strategie verfolgen Sie bei den Obligationen?

Das wichtigste Ereignis der internationalen Obligationenmärkte war in den letzten Wochen das Überschreiten des Renditehochs der 10-jährigen spanischen Regierungsanleihen auf 7 Prozent. Sollten sich die Zinsmärkte im Zuge der griechischen Wahlen nicht nachhaltig beruhigen, könnte sogar das Investment Grade Rating von Spanien fraglich werden – z.B. bei Renditen um 8-9 Prozent. Bei so hohen Finanzierungskosten wird die Verschuldung Spaniens massiv steigen. Wir beobachten, dass die Verschuldungskrise keineswegs gelöst ist und die Nachfrage nach qualitativ hohen Anleihen die Renditen weiter sinken lässt. Deshalb ist eine Risikoreduktion auch im Obligationenbereich angebracht, welche wir im Bereich Schwellenländer unternommen haben.

Herr Piasko, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.

Zur Person
Gérard Piasko (52) ist seit April 2010 als CIO von Sal. Oppenheim (Schweiz) für das Investment Office der Bank verantwortlich und seit Mai 2011 in der Geschäftsleitung der Bank. Schon vorher hatte er diese Funktion inne – während sieben Jahren bei der Bank Julius Bär. Zuvor war der Jurist und Absolvent von Executive-Management-Programmen der Berkeley University und der Columbia University elf Jahre bei der Credit Suisse in Zürich, London und New York als Chefstratege tätig.

Die Bank Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Schweiz) ist eine eigenständige Bank innerhalb der Deutsche-Bank-Gruppe. Die Bank blickt auf eine über 220-jährige Geschichte zurück und wurde 1789 vom damals erst 17-jährigen Salomon Oppenheim jr. als Kommissions- und Wechselhaus in Bonn gegründet. Die Bank mit Hauptsitz in Zürich und einer Niederlassung in Genf konzentriert sich auf das Private Banking für private und institutionelle Kunden sowie externe Vermögensverwalter. Von ihren Standorten betreut die Bank Kunden aus aller Welt, insbesondere aus der Schweiz, Europa, Osteuropa sowie Lateinamerika.

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Leser fragen...

Ich leite eine Vermögensverwaltung auf der deutschen Seite des Bodensees, und wir haben einen Kooperationspartner in Zürich. Anfangs Juni beginnen wir mit der Formulierung der Anlagestrategie für das dritte Quartal. Während wir bezüglich Aktien und Anleihen eine klare Meinung haben, sind wir für den Bereich Rohstoffe ziemlich ratlos. Die Edelmetallpreise sind unter Druck, jener für Rohöl kommt nicht vom Fleck und Einschätzungen für Agrargüter und Industriemetalle waren noch nie einfach. Wir überlegen uns schon heute ernsthaft, Rohstoffe als strategisches Element in der Assetallokation bis auf weiteres zu streichen und stattdessen taktisch vorzugehen. Anderseits ist die Stimmung momentan dermassen gedrückt, dass sich vielleicht ein zaghafter Einstieg bald lohnen könnte. Sie merken aus meiner E-Mail: Ich habe echt Mühe, in diesen Wochen die Vermögensklasse Rohstoffe im Gesamtkontext einzuordnen. Deshalb meine Frage: Wie sehen Ihre Experten die weitere Entwicklung?
Dank einer Erbschaft bin ich zu einem (für meine Verhältnisse) schönen Vermögen gelangt. Ich würde mich als aktive selbstentscheidende Privatanlegerin bezeichnen. Mein Depot bewirtschafte ich mit ETFs und Fonds und dies mit ansprechendem Erfolg bei gleichzeitig vernünftigem Zeitaufwand. Nun möchte ich mir alles noch etwas einfacher machen und bin auf die Idee gekommen, einfach das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des entsprechenden Index mit anderen Indizes zu vergleichen – auch historisch – und so abzuleiten, ob ein Markt nun günstig oder teuer bewertet ist. Wenn dies wirklich so einfach wäre, würden es wahrscheinlich alle Anleger tun. Oder ist meine Idee super? Dies möchte ich gerne Ihre Experten fragen. Danke im Voraus.
Ich leite eine Vermögensverwaltung mittlerer Grösse. Wir sind auf dem Research-Verteiler einiger Banken und Broker. Sie können sich bestimmt vorstellen, wie viel Analysematerial in einer Woche zusammenkommt. Was für unsere Arbeit dabei aber deutlich zu kurz kommt, ist die Technische Analyse. Da scheint das Analyseangebot in Europa sehr dünn zu sein – im Gegensatz zu den USA, wo ich einige Jahre arbeitete. Kennen Ihre ETF- und Fonds-Experten vielleicht entsprechende Quellen?
In unserer Vermögensverwaltung haben wir zahlreiche Mandate, in denen ein Teil „Fixed Income“-Anlagen vorhanden sein müssen. Wir haben breitflächig in entsprechende ETFs investiert. Wir suchen aber für einige Kunden noch spezielle Ansätze wie beispielsweise CAT-Bonds und Wandelanleihen-Fonds. Ich habe gesehen, dass Sie dafür Experten haben (Deutschland und/oder Schweiz). Danke für ein paar Ausführungen dazu und ob es noch weitere Zinsanlagen in Form von Fonds gibt, die einen besonderen „Kick“ haben.
Als Vermögensverwalter werde ich seitens meiner Kunden dann und wann nach wirklichen Exoten-Investments gefragt, die idealerweise mittels aktiv verwalteten Fonds abgedeckt werden. Haben Ihre Experten zwei, drei solche Ideen zur Hand?
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